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11.2.2010

Nachdenken über Demokratie oder besser Demokratur und das Internet

Abgelegt unter: Blogroll — admin @ 11:06

Das Zauberwort der heutigen Zeit ist Demokratie. Volksherrschaft. Wie

stolz sind wir darauf.

Keinerlei Einigkeit besteht darüber, was das im Einzelnen eigentlich ist,

oder sein soll. Darüber soll im folgenden etwas nachgedacht werden.

Für den Einzelnen in der Masse Volk bedeutet Demokratie in Deutschland

eigentlich nur, dass jede/r das Recht hat, alle vier Jahre mal zwischen ein

paar Parteien wählen zu dürfen, von denen er/sie im schlimmsten Fall

überhaupt nichts hält. Parteibonzen und Apparatschkis üben dann diese

“Volksherrschaft” für uns aus.  Das Volk hat den Mund zu halten, wie

schon immer. Richter unterschreiben Urteile “im Namen des Volkes”,

die sich für das Volk herzlich wenig interessieren, und die auch niemals

gewählt worden sind oder jemals vom Volk gewählt würden. Es sei denn,

die Auswahl durch Behörden nach den Noten der juristischen

Staatsexamina würde man als solch eine “Wahl” betrachten.

Mit der ursprünglichen griechischen Form von Demokratie im Sinne

einer Versammlung, bei der jeder stimmberechtigt war, hat das, was wir

da heute machen, herzlich wenig mehr zu tun. Die durften ihre Stimme

mindestens noch zu einzelnen Themen abgeben.

Tatsache ist, dass “das Volk” in allen wesentlichen Prozessen unseres

heutigen Staats schön aussen vor gelassen und bevormundet wird.

“Indirekte” Demokratie, wird das euphemistisch genannt. Oder

Parteiendiktatur. Wenn man das Kind beim Namen nennen will. Wenn

ein Grossteil des “Volks” diese Herrschaft überhaupt nicht wahrnimmt,

weil es von morgens bis abends arbeitet, dann hat das jedenfalls mit

Demokratie nicht mehr viel zu tun.

Es gibt 1.000 Fragen, zu denen ”das Volk” eigentlich etwas zu sagen hätte,

mitzubestimmen, aber einfach nicht gefragt wird. Wollen wir wirklich,

dass deutsche Soldaten in Afghanistan Drogenfelder bewachen? Wollen

wir, dass dort wieder mal “zurückgeschossen” wird? Wurden wir dazu

befragt? Ich jedenfalls nicht. Und ich bin dagegen.

Es wird bei der indirekten Demokratie immer noch die das Volk

beleidigende Unterstellung als selbstverständlich angenommen, das Volk

sei unmündig und nicht in der Lage, sich selbst zu artikulieren und seine

eigene Meinung zu bilden. Dazu brauchen wir Parteien und Bonzen, die

das “für das Volk” tun.  

Die Möglichkeiten, “Volksentscheide” herbeizuführen, gibt es zwar auch

in Deutschland, sie ist aber derart restriktiv ausgestaltet, dass man das

normalerweise vergessen kann. Allein der finanzielle Aufwand der

Organisation ist für Einzelne untragbar.

Auch international ist nicht alles Gold, was sich Demokratie nennt. Die

USA sind jedenfalls in vielen Punkten keinerlei Vorbild. Schon das auf

zwei Parteien beschränkte Wahlsystem ist sogar noch restriktiver als in

Deutschland. Der letzte Präsident Bush hat die Methoden öffentlich

aufgezeigt, wie man mit Hilfe korrupter Verfassungsrichter Wahlen

manipuliert (Florida) und so gewinnt. Guantanamo und viele andere

Skandale zeigen, dass auch Demokratien sehr schwarze Flecken haben

können. Vorbildlich ist aber doch der Sinn für Recht und Unrecht der

Amerikaner, der tief in jedem Amerikaner verankert ist, ganz anders als

in vielen anderen “demokratischen” Ländern der Welt. Das dürfte auch

mit der grösseren Meinungsfreiheit in den USA zusammenhängen.

Dadurch ist die Auseinandersetzung mit der Meinung andere dort viel

härter, aber ehrlicher.

Demokratie muss gelebt werden. Das bedeutet, dass die zentralen

Entscheidungen nicht den Einzelnen immer mehr aus der Hand

genommen werden, und zentral “indirekt” verlagert, sondern dass da, wo

es eben geht, das Volk wirklich mit bestimmen kann und muss.

Dazu gehört auch echter Föderalismus. Der nach dem Weltkrieg

wiederwillig übernommene Abklatsch des amerikanischen Vorbilds, an

den entscheidenden Stellen durch überkommenes deutsches

Zentraldenken überlagert, genügt demokratischen Grundanforderungen

mitnichten.

Dadurch, dass der Bund den deutschen Bundesländern weite Teile der

Entscheidungsbefugnis und insgesamte die gesamte  Steuerhoheit (mit

Ausnahme von im wesentlichen der Gewerbesteuer und der Hundesteuer)

entrissen hat, ist der Begriff “Föderalismus” eher ein Lippenbekenntnis

und existiert in Deutschland nicht wirklich. Die neueren europäischen

Tendenzen scheinen sich leider inzwischen dahin zu entwickeln, dass die

Entscheidungsbefugnisse noch weiter von dem Bürger weg verlagert

werden. Auch eigentlich gute und sinnvolle Einrichtungen wie der

Europäische Gerichtshof für Menschenrechte müssen sich den

Kritikpunkt gefallen lassen, dass die dort tätigen Richter

nicht unmittelbar gewählt worden sind, sondern ebenfalls von den

Regierungen der Mitgliesstaaten einfach so ernannt wurden.  

Auch hier handelt es also leider sich in Wirklichkeit um ein straff

zentralistisch organisiertes System, das mit Demokratie herzlich wenig

mehr zu tun hat.

In den deutschen Länderparlamenten wird im wesentlichen

herumgehampelt, Geld hin- und herverschoben, und es interessiert sich

wirklich echt darum niemand dafür.

Richtige oder wichtige Entscheidungen werden da auch überhaupt nicht

getroffen.

Ein ernstzunehmender und gesunder Wettbewerb zwischen den

Bundesländern entsteht erst dann, wenn die Bundesländer auch bei der

Besteuerung ein echtes Wörtchen mitzureden haben. Bei den

Amerikanern etwa werden zwei Steuererklärungen eingereicht, einen für

den Bund (”federal return”) und einen für den Bundesstaat (”state

return”). Erst dann wird die Musik anfangen, zu spielen. Weil die Länder

dann etwas von seinen Bürgern für Ihre Tätigkeit bekommen, und sich

dafür auch rechtfertigen müssen.  Davon ist Deutschland noch meilenweit

entfernt, und damit auch von echter Demokratie.

Insgesamt könnte oder sollte man bei unserem in Deutschland

bestehenden System daher eher von Demokratur (Passiv-Form von

Demokratie, also aufgedrängte, Zwangsdemokratie) reden.

Bessere Ansätze von Demokratie bestehen in dem Schweizerischen

System. Und wer weiss, vieleicht werden bald die neuen Demokratien aus

dem Osten neue Lösungsansätze entwickeln.

 Ein Ausweg aus diesem Dilemma der Demokratur auf lange Zeit und eine

kleine Hoffnung wird darin gesehen, dass sich internationale Standards

für Demokratien entwickeln müssten.

Erfasst werden und massgeblich sein müsste nicht, wie viele Parteibonzen

und Schreier in der Demokratie das Sagen haben, sondern, wie viel

Mitbestimmungsmöglichkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten sich für

das Volk selbst ergeben.

Es müsste über Meinungsumfragen oder sonstige demographische

Erfassungen erfasst werden, wie die Lebensverhältnisse des Einzelnen

aussehen. Darf er oder sie seine Meinung ohne Furcht vor strafrechtlicher

Verfolgung frei sagen? Gibt es Repressionen staatlicher Art, die sich auf

die Einzelnen auswirken? Welchen Standard hat der Respekt vor den

Menschenrechten in einem Staat?

Wichtiger Punkt: die Verfassung. Die guten Demokratien kennzeichen

sich durch ihre Verfassungen aus, und zwar nicht nur in Form von

formellen Rechtspositionen (was es etwa in der Parteiendiktatur der

DDR auch schon gab), sondern in der Umsetzung dieser Rechte. Wir

Deutschen warten dabei eigentlich immer noch darauf, dass die in der

Präambel zum Grundgesetz angekündigte Verfassung vom Deutschen

Volk in freien Wahlen beschlossen wird. 1949 wurde auf Druck der

Alliierten eine Verfassung hoppla hopp zusammengekleistert, und nach

der Wiedervereinigung haben wir das einfach mal ”vergessen.”

Zurück zu kommen auf die Anfangsidee, so schwebt vor eine Liste aller

Länder der Welt, ähnlich wie bei Transparency International hinsichtlich

des Korruptionsgrads der Länder. Nach vorher vorgegebenen Kriterien

wird dann der Fortschritt der Demokratien der Welt bewertet. Über diese

Mechanismen könnte man dann auch die Parteien, die Schritte in dieser

Richtung unterstützen, bevorzugt wählen, um so allmählich als Volk

wirklich die Herrschaft zu übernehmen.

Nebenbei bemerkt: Kompliment und eine Liebeserklärung an das

Internet. Durch diese Verknüpfung all unserer Gedanken wird

Demokratie auf ganz andere Ebene möglich, und zwar nicht nur auf “das

Volk” beschränkt, sondern sogar international. Das Internet ist nicht

kontrollierbar und erlaubt jedem, sich auszudrücken, und Einfluss zu

nehmen.

Umso schlimmer sind Versuche wie in China, auch hier mehr und mehr

Inhalte zu kontrollieren. Deutschland steht dabei auch nicht weit hinten

an. Für Zensur gibt es immer einen Vorwand.

Sei es der Vorwand der Pornographie, sei das der Terrorismus, seien es

die “Abmahner”.

Aber das schöne ist, dass im Internet wirklich “das Volk” tätig ist. Und

wir haben die Macht. Die Zensur lässt sich darum auch viel schwieriger

gestalten, denn das Internet ist die Stimme des Volks.  Lasst uns weiter

 machen!

Alle Rechte Vorbehalten.

A. Fischer, Rechtsanwalt und CPA (Certified Public Accountant) USA

info@anif.de

Tel.              +49(0)7221-3939752         +49(0)7221-3939752

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