- Anfi Blog juristisches Internet - http://rechtsanwalt-andreas-fischer.de -
Zu den Verdiensten des Herrn Thilo Sarrazin, SPD Politiker, Berliner Finanzsenator und Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank
Dieser Eintrag stammt von admin Am 6.9.2010 @ 12:46 In Blogroll | 1 Kommentar
„Deutschland schafft sich ab“
Herr Sarrazin hat ein Buch geschrieben. Na und? Was gibt es sonst noch neues? Heutzutage eigentlich nichts besonderes mehr. Das macht sogar ein Herr Bohlen, und Hinz auch und Kunz.
Das hätte ein richtig spannendes Buch werden können. Wie gerne hätten wir doch alle einen Insider-Blick in das getan, was die Deutsche Bundesbank so alles in Wirklichkeit tut, an der Schaltzentrale der eigentlichen Macht des Geldes in Deutschland.
Leider hat sich aber Herr Sarrazin auf einem Gebiet betätigt, auf dem er eigentlich kein Fachmann ist. Statt dessen geht es wohl eher um allgemeinpolitische Themen. Es geht insbesondere um Tabuthemen, nämlich um Rassen und um Ausländer.
Das, was da von Herrn Sarrazin in der Presse zitiert wird, reicht uns eigentlich vollkommen aus.
„Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.“ Die Rede ist von der fehlenden Bereitschaft zur Integration „aller Ausländer“, die Rede ist vom Niedergang Deutschlands.
Tschüss und auf Wiedersehn, Herr Sarrazin. Was sagen wir dazu? Schuster bleib bei deinem Leisten.
Solche dummen Verallgemeinerungen, “die Juden”, “die” Deutschen, “die” Ausländer gibt es doch gar nicht. Jeder ist in 99 Prozent der Welt ein Ausländer!
Auftretende Brechreize müssen somit schon zugegeben werden, wenn da von „alle Juden“, „alle Ausländer“ die Rede ist. Herr Sarrazin, das ist nicht das Niveau, das wir von jemand wie Ihnen erwarten!
War Christus genetisch nicht etwa auch ein Jude? Sind damit “alle Juden” auch alle Christen, im Sinne von Herrn Sarrazin?
Haben dann etwa “alle” die vom Judentum zum Christentum konvertierten Christen auch eine genetische Änderung zu verzeichnen? Und müssen “alle” die zum Judentum konvertierenden bzw. konvertierten Christen erst eine Genveränderung über sich ergehen lassen?
Wenn eine Deutsche einen Basken heiratet und dorthin zieht, überträgt er ihr dann sein “baskisches Gen” beim ersten Kuss?
Was für ein haarsträubender, dummer Quatsch!
Das erinnert uns “alle” etwas an ein ganz anderes Buch schon etwas älteren Datums. 1925 in der Erstauflage erschienen, mit gerade mal 10.000 Käufern. Geschrieben von einem wütenden Prügelknaben, Möchtegern-Kunstmaler und Realschul-Abbrecher ohne abgeschlossener Berufsausbildung, der mangels Talent nicht zum Kunststudium zugelassen worden war. Was für eine tragische, richtige Fehlentscheidung das doch nur war! Da ist er halt einfach Buchautor, und schließlich sogar erfolgreicherrr deutscherrr Politikerr geworden. Ein Buch, das wir bzw. die beiden Generationen vor uns im Großen und Ganzen auch versäumt haben, zu lesen, und ernst zu nehmen, mit den bekannten, fürchterlichen Konsequenzen. Ich konnte es auch nicht lesen, es ist entsetzlich polemisch, unqualifiziert und insbesondere haarsträubend dumm.
„Tuschelrassismus“, haben wir das, was Herr Sarrazin da schreibt,[1] in einem früheren Beitrag genannt, vgl. Link.
Und über die “gewünschte Hervorhebung von Personengruppen” (oder auch kurz: hui) versus “Diskriminierung durch Rechtssprache” (kurz: DDR, äh, ich meine, pfui) durch das Bundesministerium der Justiz h[2] ier der Link zu diesem Beitrag.
Herr Sarrazin spricht es nun laut aus, er tuschelt nicht mehr. Inkonsequenter Weise meint er dann aber von sich selbst, er sei kein Rassist. Mir gelingt es zumindest nicht, da einen plausiblen Unterschied zu erkennen.
Wer undifferenziert und pauschal unterschiedliche Rassen von Menschen unterscheidet (= Diskriminierung) und daraus Schlüsse zieht auf unterschiedliches Verhalten, ist für mich ein Rassist.
Von „einem, der endlich einmal es wagt, laut auszusprechen, was alle denken,“ bis hin zu einem „verrückten Großmaul, der verantwortungslos rassistisches Gedankengut unter das Volk bringt“, so rauscht es „verheißungsvoll“ durch die gesamte Bandbreite des deutschen Blätterwalds.
Das rund 23 Euro teure Buch soll in über 200 tausendfacher Auflage bereits verkauft worden sein, so daß der Herr wohl inzwischen jedenfalls sich auch unter dem finanziellen Aspekt um seine eigene Zukunft keine Sorge mehr machen braucht.
Ich bin mir schon jetzt sicher, daß ich Herrn Sarrazin und seine Theorien überhaupt nicht leiden kann. Aber vielleicht wird er wichtig genug werden, daß man sich damit auseinander setzen muss.
Zu den positiven Aspekten des Buchs:
Herr Sarrazin hat mit seinem Buch Mut bewiesen und hat auch einige Tabus gebrochen. Er dokumentiert wohl auch den Übergang vom deutschen „Tuschelrassismus“ zum ausgesprochenen Rassismus.
Dafür Respekt. Vieleicht sollten wir diese Bewegung den deutschen “Neo-Rassissmus” nennen.
Und die ausgelöste Diskussion über die Integration von Ausländern war überfällig. Sie wurde auch und gerade von Ausländern aufgegriffen und verhindert eine weitere Verhärtung der Fronten.
Nun, nach dem, was wir in der Presse über das Buch gehört haben, werde ich es jedenfalls dennoch vorerst wohl nicht kaufen.
Ich möchte mit meinem Kauf nicht meinen „monetären Stimmzettel“ an die Falschen geben.
Für eines wird ihm die deutsche Presse jedenfalls dankbar sein: Als Füller des Sommerlochs 2010.
Alle anderen Verdienste sind fraglich.
Zu dem Namen Sarrazin sei übrigens noch folgendes bemerkt:
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
„Sarrazin ist ein französischer Familienname, der etymologisch auf die Sarazenen bzw. verwandte Begriffe zurückzuführen ist.“
Und weiter unter Sarazenen:
“Sarazenen ist ein Begriff, der ursprünglich einen im Nordwesten der arabischen Halbinsel siedelnden Volksstamm bezeichnete. Im Gefolge der islamischen Expansion wurde der Begriff in lateinischen Quellen und im christlichen Europa als Sammelbezeichnung für die muslimischen Völker, die ab ca. 700 n.Chr. in den Mittelmeerraum eingedrungen waren, verwendet, meist in angstgeprägtem Sinn. …”
Wenn wir Rassisten uns jetzt die Frage stellen würden, ob da bei Herrn Sarrazin vieleicht ein “bei allen Afrikanern vorhandenes” afrikanisches Gen durchkommt, das ihn “von allen anderen unterscheidet,” dann wäre das sicherlich als Rassissmus zu bezeichnen. Herr Sarrazin besässe dann wohl auch vorbildlich in die deutsche Rassse, äh, in das deutsche Volk integrierte afrikanische Gene.
Aber diese Frage stellen wir uns selbstverständlich nicht. Wir sind ja alle keine Rassisten! Lassen wir doch besser die Finger gleich ganz von diesem heiklen Thema.
Ach, und noch was:
Als energischer Verfechter der Meinungsfreiheit in Deutschland, - und Gegner der Zensur, - würde ich mich eher vierteilen lassen, als Herrn Sarrazin verbieten zu wollen, seine - meiner Ansicht nach - schädlichen und falschen Ansichten zu äussern.
Denn nur so können wir etwas dagegen unternehmen, und, sollte doch was dran sein, werden die Verantwortlichen gezwungen, sich damit auseinander zu setzen und klare Stellung zu beziehen!
Beitrag und Copyright 2010 von:
A. Fischer, Rechtsanwalt und CPA (USA)
Pf. 100348
76484 B.- Baden
Tel. 07221-3939752
Fax 03212-3939752
Rechtsanwalt@anif.de
Per Email an:
info@anif.de
1 Kommentar To "Zu den Verdiensten des Herrn Thilo Sarrazin, SPD Politiker, Berliner Finanzsenator und Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank"
#1 Trackback By Bergfreunde On 6.9.2010 @ 6.9.2010
Rosengartengruppe - Ersteigungen - Teufelswand - Fensterlturm - Rotwand - Tscheinerspitze - Coronelle…
Ich finde ihren Eintrag sehr informativ…
Dieser Artikel wurde ausgedruckt ab Anfi Blog juristisches Internet: http://rechtsanwalt-andreas-fischer.de
URL zum Artikel: http://rechtsanwalt-andreas-fischer.de/2010/09/06/zu-den-verdiensten-des-herrn-thilo-sarrazin-spd-politiker-berliner-finanzsenator-und-mitglied-des-vorstands-der-deutschen-bundesbank/
URLs in this post:
[1] in einem früheren Beitrag genannt, vgl. Link. : http://rechtsanwalt-andreas-fischer.de/2010/01/21/nachdenken-uber-methoden-der-d
iskriminierung/
[2] ier der Link zu diesem Beitrag.: http://rechtsanwalt-andreas-fischer.de/2010/08/17/diskriminierung-durch-rechtssp
rache-bleibt-der-redaktionsstab-fur-rechtssprache-am-bundesministerium-der-justiz-auch-nach-zaunegger-und-bverfg-unbelehrbar/
Klicken hier zum Drucken.